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Uwe Leuchtenberg.

Meine Reden im Landtag :

15.12.2005: Neue Perspektiven für NRW – Die Zukunftsenergie Geothermie weiterhin technologisch erschließen und wirtschaftlich nutzen

Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen!

Geothermie und nicht Geometrie ist das Thema unseres Antrags. Dies sage ich hier ganz bewusst, denn gerade in den letzten Tagen, nachdem wir diesen Antrag gestellt hatten, ist mir sehr bewusst geworden, dass einige dieses wichtige Thema immer noch nicht ernst nehmen.

Fragen wie „Was soll dieser Geometrieantrag?“ oder Aussagen wie „Das läuft doch schon alles“ deuten zumindest darauf hin, dass die Geothermie in den Gedanken vieler noch nicht den Stellenwert einnimmt, den sie einnehmen müsste.

Im letzten Jahrhundert durchstreiften Geologen die Erde auf der Suche nach dem schwarzen Gold. Nun könnte sich dank der Technik, die entwickelt wurde, ein neues Feld für die Erdkundler auftun, wenn die Erdwärme das einlöst, was manche Forscher heute versprechen, nämlich genug erneuerbaren, umweltfreundlichen Strom, um die gesamte Grundlast der Bundesrepublik zu decken, und dazu noch das Zweieinhalbfache an Wärme.

Im Februar 2003 hat das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag die erste umfassende Studie zu den Möglichkeiten geothermischer Stromerzeugung in Deutschland veröffentlicht.

Dort wurde das technische Gesamtpotenzial so geschätzt, dass die Geothermie theoretisch alleine ausreicht, um den gesamten Strombedarf der Bundesbürger bei gleich bleibendem Konsum für bis zu 550 Jahre zu decken. Das müsste sie nicht; denn man hat nicht nur noch genügend Kohle, sondern auch endlos Wind und Sonnenenergie zur Verfügung.

Doch die Geothermie kann etwas, was andere erneuerbare Stromquellen – ausgenommen vielleicht die Biomasse – nicht können: Mit der Geothermie kann man dem Konsum angepasst Kraftwerke hoch- und herunterfahren. Besser noch: Geothermische Kraftwerke können die angeblich verlässlichen Kohle- und Atomkraftwerke in Sachen Versorgungssicherheit bei Weitem übertrumpfen;

(Beifall von der SPD)

denn während Letztere lediglich eine Verfügbarkeit von rund 60 bis 70 % aufweisen, sind geothermische Kraftwerke bis zu 95 % verfügbar.

Geothermie zählt zu den Säulen der zukünftigen Energietechnologien. Sie ist nahezu überall unbegrenzt verfügbar, klimaneutral und entlastet die Umwelt. Geothermie ist eine Alternative zu herkömmlichen Heizsystemen und kann zur Stromerzeugung genutzt werden. Geothermie bedeutet „Strom aus der Erde“ oder aber auch „Energie aus dem Dauerbrenner“. Geothermische Energie steht immer zur Verfügung – rund um die Uhr, ohne Rücksicht auf Tages- und Jahreszeit, unabhängig von Wetter und Klima – und ist dadurch auch zur Abdeckung von Grundlasten hervorragend geeignet.

Die geothermische Branche wird im Jahr 2005 nach eigenen Angaben 170 Millionen € umsetzen. Ziel ist es, diesen Umsatz in den nächsten Jahren auf 2 Milliarden € zur steigern und 25.000 Dauerarbeitsplätze bis 2020 zu schaffen. Nordrhein-Westfalen verfügt über ein sehr gutes oberflächennahes geothermisches Potenzial.

Damit Nordrhein-Westfalen Energieland Nummer eins bleibt, müssen wir unseren qualitativen Vorsprung bei der Nutzung regenerativer Energie ausbauen.

Erdwärme muss noch stärker als bisher erforscht und angewandt werden. Geothermie-Know-how birgt ein erhebliches Exportpotenzial. Die Nutzung von Erdwärme kann einen positiven Beitrag zur Beschäftigungssituation in Nordrhein-Westfalen leisten.

(Dr. Axel Horstmann [SPD]: Auch das!)

Nordrhein-Westfalen verfügt über umfangreiche Erfahrungen in den Bereichen Bergbau, Bohrtechnik, Wärmeverteilung und Kraftwerksbau. Diese Erfahrungen müssen wir nutzen und gewinnbringend für unser Land und die Beschäftigten in Nordrhein-Westfalen einsetzen.

(Beifall von der SPD)

Obwohl schon einige Gebäude mit Erdwärme beheizt werden und in Neubausiedlungen Erdwärme als verkaufsförderndes Instrument eingesetzt wird, wird das Erdwärmepotenzial in unserem Land noch lange nicht ausgeschöpft. Die Schweiz zeigt uns, wie man heute schon vorhandene Möglichkeiten viel besser nutzen kann.

Die Nutzung von Erdwärme muss auch eng mit dem Strukturwandel in Ballungsräumen verbunden werden. Kommunen, Projektentwickler und vor allem Energieversorger müssen einbezogen werden, um auch vorbelastete Areale für die Zukunftsenergie Geothermie zu nutzen.

Neben der Energiegewinnung und Speicherung sind auch die vielfältigen thermodynamischen und regeltechnischen Einflüsse der Niedertemperaturnetze weiter zu erforschen und die wirtschaftlichen Grundlagen für die Planung zu schaffen.

Aufgrund der Komplexität der Aufgabenstellung ist das Vorhaben nur durch einen Verbund aus Wissenschaft, Energie, Immobilienwirtschaft sowie kommunaler Verwaltung zu bewältigen.

Weiterhin ist zu erforschen, wie die geothermisch gewonnene Energie vermarktet werden kann. Finanzierungsaspekte, zum Beispiel über den Handel mit CO2-Zertifikaten, aber auch die Bilanzierung der Umweltverträglichkeit sind noch im Detail darzustellen.

Diese Schwerpunktsetzung bündelt Wissen aus der Wirtschaftswissenschaft, der Architektur, des Bauingenieurwesens, der Elektrotechnik, der Informatik, des Maschinenbaus, der Geowissenschaften und der Energiewirtschaft. Darum muss der Forschungsverbund Geothermie gestärkt werden. Dies ist wichtig, um zum Schluss dem Kunden ein Produkt beziehungsweise eine Lösung aus einer Hand anbieten zu können. Nur so wird Geothermie ein starkes Standbein im nordrhein-westfälischen Energiemix.

Wir fordern Sie daher auf, die Erschließung und Nutzung weiterhin – so, wie wir es getan haben – gezielt zu fördern. In unserem Antrag haben wir einige aus unserer Sicht unverzichtbare Forderungen zur Stärkung der Geothermie dargelegt.

Wir bitten Sie, diesem Antrag zuzustimmen. – Danke schön.


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